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Generation +1

Junge Mitarbeiter am Anfang Ihrer Berufskarriere sind leicht zu motivieren. Aber erst die Zeit zeigt, ob es ein Unternehmen versteht, nachhaltig ihr Potential zu nutzen. Ein häufiger Fehler ist es, ihnen zu wenig zuzutrauen insbesondere bei Aufgaben außerhalb Ihres Fachgebiets. Dabei gehen gerade die Jungen am unvoreingenommensten an neue Themen heran. Kein langes Wenn und Aber, einfach machen. Man muss sie nur begleiten. Warum soll ein mittelständiges Beratungshaus wie Collogia nicht dieses Potential nutzen, um für sich Werbung zu machen? Oder andersherum: Kann ein Administrator mit nur 6 Monaten Berufserfahrung den Vertrieb unterstützen? Mal überlegen.

16 Jahre SAP Basis, 13 Jahre Collogia, 7 Jahre Teamleiter. Wie die Zeit vergeht. 1999 war die Welt noch einfach. SAP R/3 war eine übersichtliche Architektur. Die Hardwarehersteller verdienten gut und Linux und Intel waren weit davon entfernt den Markt aufzurollen. Nach der Universität hatte man Elan und wollte die Welt bewegen. Da war die Arbeit in der unbekannten SAP Welt mehr als ernüchternd. Als ambitionierter Einsteiger waren für mich Hilfsarbeiten in statischen Landschaften zermürbend. Das ist die Zeit in der man sich mit dem System anfreundet oder es für immer hasst. Erst nach 6 Monaten verknüpfen sich die ersten Synapsen und man durchdringt das System langsam. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre.

Vieles hat sich seitdem verändert und man hat in der Hektik wenig Zeit darüber nachzudenken. Die SAP Technologiemaschine läuft fortwährend auf Hochtouren und Lizenzpolitik, Marketing sowie Vertrieb tun ihr Bestes um Anwender permanent auf die neusten Releases zu treiben. So kritisch man Neuerungen betrachtet und so loyal man gegenüber seinem Auftraggeber ist, man beißt nicht die Hand die einen füttert. Immerhin gibt es kaum ein anderes Technologieunternehmen, das es verstanden hat, so viele industriespezifische Individuallösungen in einem einheitlichen Technologiestack zu implementieren. Die Kundenbasis ist breit gefächert und das SAP Ökosystem bietet genug Arbeit für gute Leute.

Neue Techniken wie z.B. Webservices, Business Objects oder In Memory Computing (HANA) fordern eine stetige Anpassung an die sich ändernde Architektur. Wer mit seinem Wissen stehen bleibt wird bestraft. Nur die Spezialisten bekommen die spannenden Themen. Ob es Glück, Fleiß oder einfach nur die Passion eines Technik Nerds ist, die Jahre haben mich immer vorangebracht. Als Hauptentwickler der SAP Überwachungslösung CCMX habe ich in der ABAP Welt fast in jede Ecke des Systems hineingegriffen. Technik und Stil stehen bei mir als Pragmatiker nicht im Vordergrund, das Werk zählt. Dogmatiker würden sich die Haare raufen. Die Grenze zwischen Programmierern und Administratoren ist in der Regel sehr scharf. Ich scheine eine seltene Kombination von beiden Interessen zu haben. Praktischerweise ist es ist ein Selbstläufer geworden. Alles was ich in einem der beiden Bereiche erlerne, hilft mir beim besseren Verständnis des gesamten Systems. Als letzte Instanz vor dem technischen SAP Support mache ich den Kollegen die tägliche Arbeit bei Fehlern und Problemen leichter. In einer Landschaft von über 200 SAP Systeme eine tagesfüllende Tätigkeit. Immerhin seit 13 Jahren beim gleichen Großkunden.

Soweit habe ich mein Leben entspannt im Griff. Wäre da nicht meine zweite Aufgabe als Teamleiter in der eigenen Firma. Ein junges Team von 10 Mitarbeitern, das ich mit meiner Erfahrung fördern und  entwickeln möchte. Am Engagement mangelt es ihnen nicht. Nur ist meine technische Expertise alleine nicht genug. Das wird mir jeden Donnerstag an meinem Collogia Tag bewusst wenn ich am Büro der Vertriebskollegen vorbeikomme. André wird nicht müde, mir bewusst zu machen, dass Klappern zum Handwerk gehört. „Wie kann ein Kunde uns beauftragen, wenn er nicht weiß was wir können?“. Er hat leider Recht und ich schätze seine vorausschauende und nachhaltige Art. Daher verkneife ich mir böse Kommentare. Das ist halt nicht meine Welt. Ich bin normalerweise derjenige der im Nachhinein die leeren Versprechungen der längst entschwundenen Vertriebler im Projekt kompensieren muss.

Da wir beide in einem Boot sitzen, müssen wir uns irgendwie annähern. Er kann eine abstrakte Beratungsleistung wie SAP Basis nur verkaufen, wenn ich ihm Input liefere. Der Inhalt ist wichtig, über das Medium lässt er mit sich reden. Das kommt mir entgegen. Ich bin nicht der Typ für Pressemitteilungen oder Success Stories. Davon habe ich leider zu viele gelesen, deren Hintergrund ich kenne. Hinter bunten Aufmachungen wird auch nur mit Wasser gekocht. Aus meiner Erfahrung kann ich Dinge besser verkaufen, wenn ich authentisch bin. Diese Woche hat er noch einmal auf den Punkt gebracht, wofür unsere Bestandskunden uns schätzen.

  • Flexibilität
  • Expertise
  • Nachhaltigkeit

Mein Team soll dies nicht nur im Projekt leben sondern auch selbstbewusst nach außen tragen. Es fällt mir schwer auf den Zug aufzuspringen. Die Vollauslastung lässt nur wenige Freiräume und die jüngeren Mitarbeiter haben u.U. noch nicht die Erfahrung um dem Vertrieb zuzuarbeiten. Wenn man ehrlich ist, sind das alles dumme Ausreden. Prokrastination bei unliebsamen Dingen ist einfach etwas Schreckliches.

Wie durch einen Zufall ergibt sich beim Mittagstisch mit den jüngsten Mitarbeitern aus meinem Team eine Diskussion über die Teilnahme an sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Man mag mich altmodisch nennen, aber ich kann noch nicht viel damit anfangen. Insbesondere ärgert es mich, wenn man das Gefühl bekommt, dass der kurze Blick auf das Handy die Konzentration von wichtigen Aufgaben im Job ablenkt. Für die Jungs ist der Umgang mit dem Medium normal und mein pädagogischer Zeigefinger wird mit einem Schmunzeln registriert: „Markus das ist eben eine andere Generation“. Das von jemandem zu hören, der nur 12 Jahre jünger ist, erinnert mich an die Gespräche mit meiner Tochter und die ist noch lange keine 28. Man wird alt…

Wir werden wieder sachlich und überlegen, ob man diese Vorlieben nicht irgendwie zum gemeinsamen Erfolg der Firma nutzen kann. Problem ist nur, dass die Inhalte in sozialen Netzen eher kurz und knapp gehalten sind. Man teilt sich in kurzen Ausschnitten mit, wenig zusammenhängender Inhalt, gerade wie man Zeit hat. Darüber hinaus publiziert man Verweise auf externe Dokumente. Seien es News, Blogs, Webinars oder andere Dokumente. Dort entstehen Inhalte, die herangezogen werden, wenn es um wirklich wichtige Themen geht. Ob sie sich vorstellen können, mehr als nur kurze Posts für Freunde zu erstellen, frage ich. Sie stimmen verhalten zu, vorausgesetzt Sie müssen kein Marketing taugliches Material abliefern. Das kann ich verstehen, schreiben und dokumentieren ist bei Administratoren immer unbeliebt – das ist zum Teil dem kurzweiligen Job geschuldet. Nach Abstimmung mit dem ganzen Team einigen wir uns auf das Medium Blog. Alle können mitmachen unabhängig von Ihrer Erfahrung und der Vertrieb hat eine weitere Möglichkeit darzustellen, was wir können.

Ich verspreche mich um die Plattform sowie die Einleitung zu kümmern. Mit dem Erschienen dieses Eintrags habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun ist die Zeit für Generation +1 gekommen, um sich zu beweisen. Auf gutes Gelingen.

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