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20MHz bewegen die Firma

"Wenigstens sind die Strassen frei" fällt mir als einzige gute Begründung für eine Frühschicht ein. Vielleicht muss man dafür geboren sein oder in den Rhythmus hineinwachsen. Aber mit 26 ist das noch ganz schön schwer. Dabei sind die Tätigkeiten am frühen Morgen nicht komplizierter als am restlichen Tag. Sie fallen einem nur schwerer. Die tägliche Routine und die restlichen Aufgaben der Nacht müssen abgearbeitet werden. Die Kunden geben den Takt vor.

Individuelle Lösungen stehen für Collogia im Remote Support im Vordergrund. Anders wäre es nicht möglich ein Spektrum von Kunden mit 25 bis hin zu 1500 SAP Benutzern langfristig zufrieden zu stellen. Vieles ist weitestgehend automatisiert, jedoch gibt es einige Auswertungen die nur manuell erstellt werden können. Dazu gehören unter anderem die Checklisten für die tägliche Status Telko bei unserem großen RM-CA Kunden, für den wir 7x24h Support inklusive der Betreuung der Applikationsjobs leisten. Mit einem standardisierten kundenübergreifenden Betriebskonzept wäre das nicht möglich.

Die Aufgabenliste ist lang und trotz dem ersten Kaffee zu Hause fühle ich mich in der Firma angekommen immer noch so als würde ich mit Choke laufen. Während das Laptop startet geht der erste Griff zum Schalter des Kaffeevollautomaten. Schön dass die Firma so etwas kostenfrei für die Zufriedenheit der Mitarbeiter zur Verfügung stellt. Das Gerät antwortet mit einem wohlwollendes Zischen und Brummen. Wasser bzw. Milch nachgefüllt und die Maschine ist bereit für den ersten Latte Macchiatto. 2 Minuten später geht es bewaffnet mit einem warmen Glas zurück zum Arbeitsplatz. Jetzt kann bis zur Telko um 10:00 Uhr nichts mehr schief gehen. Man braucht nicht viel um glücklich zu sein.

23.04.2015 - 6:00 Uhr. Ein Zettel auf der Kaffeemaschine: Defekt - Wartung um 9:00 Uhr - Bitte nicht benutzen. Ich bin zwar nicht koffeinabhängig aber das wird ein schwerer Morgen. Um diese Zeit habe ich keine Lust nochmal zurück zum Kiosk zu gehen. Jetzt heißt es Daumen drücken und hoffen, dass der Techniker pünktlich kommt und die Maschine schnell repariert werden kann. Um 7:15 Uhr trudelt Marco ein. Ich bin in die Arbeit vertieft und erst als ich seine Beschwerden über den Ausfall lebenswichtiger Brühtechnik vernehme, fällt mir auf, dass er genauso auf das Gerät angewiesen ist wie ich. Ein ausgefallenes SAP wieder lauffähig zu machen, wäre für Ihn einfacher als solch zentrale unternehmenskritische Technik.

Um 10:10 Uhr erfahre ich von den Kollegen, dass der Automat wieder fertig ist. Jetzt heißt es, eine kurze Pause einzuschieben und den Kreislauf mit einer Tasse Latte Macchiato wieder auf Vordermann zu bringen. Immerhin ist der halbe Arbeitstag Tag für mich vorüber. Auf dem Flur treffe ich 2 andere Kollegen, die der guten Nachricht wegen ihre Büros verlassen haben. Vor der Kaffeemaschine packt der Techniker gerade das Werkzeug zusammen. Man kommt ins Gespräch und ich erfahre, dass eine Dichtung versagt hat. Aufgrund der starken Temperaturwechsel eine normale Verschleißerscheinung. "Das hält jetzt wieder für zwei Jahre". In der Hoffnung, dass er recht behält verabschieden wir Ihn und philosophieren darüber, wie wichtig dieses Gerät für die Firma ist. Auch wenn es keine Weltraumtechnik ist, handelt es sich um einen entscheidenden Beitrag, um sich auf der Arbeit wohl zu fühlen.

Die nachfolgende Recherche aus persönlichem Interesse ergibt, dass unser Jura Impressa X9 Vollautomat tatsächlich mit wenig Hardware tollen Kaffee produziert. Laut Reparaturanleitung arbeitet auf der Hauptplatine ein H8/3687 von Renesas. Laut den technischen Details eine 16 Bit CPU mit 20Mhz.

Ein Witz im Vergleich zu den Gigahertz der 64 Bit Multikernprozessoren auf denen die von uns betreuten Systeme laufen. Es ist zwar nicht direkt messbar aber diese einfache Technik ist ein wichtiger Bestandteil für mein persönliches Wohlbefinden und trägt mit Sicherheit entscheidend zur Effektivität der Firma bei. Ich drücke die Daumen, dass ich beim nächsten Ausfall keine Frühschicht habe.