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SAP Altsysteme & Datenübernahme

Nachdem es viele Jahre Trend war, ERP Systeme aufgrund der steigenden Hardwareanforderungen nach Funktionen/Modulen aufzuteilen, zeichnet sich heutzutage eine andere Entwicklung ab. Aufgrund immer leistungsfähigerer Hardware bietet es sich an, die Anzahl der ERP Systeme zu verringern. Das bedeutet konkret, zwei oder mehrere Systeme zusammenzuführen. Doch was macht man mit den existierenden Datensätzen?

Eine Menge Bewegungsdaten wird eigentlich nicht mehr gebraucht. Höchstens aus rechtlichen Gründen müssen sie weiterhin aufbewahrt werden. Man hält sie in sogenannten Legacy-Systemen vor, die heute einfach zu handhaben sind. Man kopiert das System in eine VM und startet diese bei Bedarf. So braucht man kaum noch Ressourcen vorzuhalten. Aber einige Daten - so z.B. die Stammdaten - werden weiterhin benötigt, auch wenn die neuen Daten in einem anderen ERP-System verarbeitet werden.

Also müssen diese Daten aus dem alten System in das neue überführt werden. Hierzu hält ein SAP-ERP bereits im Standard schon einige Funktionen vor, z.B. den Report RMDATGEN für die Übernahme von Materialstammdaten. Mit RMDATGEN können die Daten aus dem Altsystem exportiert werden, mit dem Report RMDATIND im neuen System konsistent wieder importiert werden. Dieses ist die einfachste Methode für eine sogenannte transaktionale Datenübernahme, oder auch 'transaktionale Migration'.

Für andere Objekte kann, falls ein BAPI vorhanden ist, ein ALE-Szenario zwischen Alt- und Neusystem eingerichtet werden. Hierfür werden in beiden Systemen entsprechende logische Systeme und RFC-Verbindungen angelegt. Durch Einrichten der passenden Partnervereinbarung im Quellsystem (alt) und verteilen derselben in der Transaktion BD64 ist das ALE-Szenario eingerichtet. Dann braucht man nur noch einen Report, der die vorhandenen Daten aus dem Altsystem als Idoc ins neue System schickt, z.B. der Report RBDSEQPMK für das Businessobjekt QPMK.
Ist kein vorgefertigtes BAPI vorhanden, kann man ein solches selber erstellen (Transaktion).

Es ist aber auch möglich, ein im SAP NetWeaver vorhandenes Tool zu nutzen, das eigentlich für die Übernahme von Daten aus non-SAP Systemen gedacht ist. Dieses Tool ist die Legacy-System-Migration-Workbench (LSMW). Hiermit können Daten die beispielsweise in Excel-Sheets vorliegen importiert werden. Dafür legt man einen bekannten Datensatz eines Objektes manuell an und zeichnet die Transaktion auf. Aus der Aufzeichnung ergibt sich, welche Felder welcher Tabellen benötigt werden. Diese exportiert man aus dem Altsystem, z.B. mit Hilfe der Transaktion SE16, im Excel-Format. Werden mehrere Tabellen benötigt, was meistens der Fall ist, fügt man diese Daten in Excel auf einem Tabellenblatt zusammen. Hierbei ist natürlich auf die korrekte Reihenfolge der Felder (aus der Aufzeichnung ersichtlich) zu achten.

Anschließend kann man diese Daten in der LSMW leicht importieren. Die LSMW bietet hier auch verschiedene Checks an, um die Konsistenz zu prüfen.
Bei diesem Verfahren wird die Transaktion, die den Datensatz des Objekts anlegt, automatisch durchlaufen. Genauso wie bei einem manuellen Anlegen von z.B. einem Materialstammsatz, erfolgt dabei eine Prüfung auf Daten-Konsistenz und Eindeutigkeit, aber auch der Berechtigungen. Der SAP-User muss also über die notwendigen Berechtigungen verfügen. Hier ein Beispiel für die Übernahme von Stichprobenverfahren aus dem Modul QM (Qualitätssicherung):

Zuerst wird aus der LSMW heraus eine Aufzeichnung des „Anlegens eines Stichprobenverfahrens“ mittels der Transaktion QDV1 angelegt:

Ein Excel Sheet mit den einzuspielenden Daten könnte so aussehen:



Im den weiteren Schritten werden die Daten formal geprüft und wie in diesem Beispiel, eine Batch-Input Mappe erzeugt. Am Schluss wird die Mappe abgespielt und die zu migrierenden Daten in das System eingespielt.

Dieses Verfahren lässt auch die Übernahme von Daten aus non-SAP Systemen zu. Einen Haken hat es allerdings: Für einige Tausend Datensätze ist die Geschwindigkeit ausreichend, bei vielen Millionen Datensätze dauert es allerdings viele Stunden, diese einzuspielen. Hier muss man dann über alternative Produkte wie SAP Landscape Transformation (hohe Kosten) nachdenken.
Das hier vorgestellte Verfahren hat einen unschlagbaren Vorteil: alle genutzten Techniken sind in einem SAP ERP-System im Standard bereits vorhanden und es werden keine zusätzlichen Lizenzkosten fällig.